Ohrsamen statt Dauernadeln

Statt Nadeln werden Samenkügelchen auf Pflastern am Ohr befestigt

Eine Alternative zur Ohrakupunktur mit Dauernadeln sind Pflaster mit Samen der Pflanze Vaccaria. Die Samen sind wie die Dauernadeln auf einem Klebestreifen befestigt und werden am entsprechenden Akupunkturpunkt angebracht. Anders als Dauernadeln dringen die Ohrsamen nicht in die Haut ein. Sie wirken jedoch durch den ausgeübten Druck auf den Akupunkturpunkt ähnlich wie die Dauernadeln. Um die Wirkung zu verstärken, kann der Patient regelmäßig die behandelte Stelle massieren. Die Vaccaria-Samen können auch lose erworben werden, wenn der Arzt oder Heilpraktiker es bevorzugt, das Pflaster selbst herzustellen und zurechtzuschneiden. Diese Form der Therapie ist der Akupressur zuzuordnen und gehört ebenfalls zur TCM. Im Gegensatz zur Akupunktur verzichtet die Akupressur auf das Stechen mit Nadeln. Die Behandlung der Erkrankungen erfolgt über die Stimulierung der entsprechenden Akupunkturpunkte durch Massage.

Die Akupressur mit Vaccaria-Samen ist eine echte Alternative zur Ohrakupunktur. Die Pflanze „Vaccaria segetalis“ wird im Volksmund auch „Kuhkraut“ oder „Kuhnelke“ genannt. Sie ist in Eurasien weit verbreitet. Ihre Samenkörner werden bereits seit mehreren Jahrhunderten in der chinesischen Medizin verwendet. Als Alternativen zu den Kuhkraut-Samen werden auch Senfsamen oder Magnetkügelchen verwendet. Auch sie werden mittels Pflaster auf dem Akupunkturpunkt am Ohr befestigt.

Anwendungsgebiete der Ohrsamen

Die Therapie mit den Samen ist eine schmerzarme Variante der traditionellen chinesischen Medizin. Weil bei der Behandlung auf einen Einstich in die Haut verzichtet werden kann, werden die Schmerzen auf das Geringstmögliche reduziert. Darum eignet sich diese Therapie für Patienten mit einem hohen Schmerzempfinden oder mit Nadelangst. Auch bei Kindern wird die Behandlung mit Ohrsamen-Pflastern häufig bevorzugt, weil sie oft unter Angst vor Nadeln und einem stärkeren Schmerzempfinden leiden. Die Samen können in der Regel mehrere Tage ohne Komplikationen auf der Haut verbleiben. Erzeugt der Druck keinen Schmerz mehr auf den Akupunkturpunkt oder reagiert die Haut gereizt auf das Pflaster, sollte die Behandlung beendet werden. Um Komplikationen zu vermeiden, kann bei der ersten Therapie-Sitzung die Dauer auf einige Stunden begrenzt werden.

Die Therapie kann sowohl allein, als auch in Kombination mit der Ohrakupunktur oder mit Moxa verwendet werden. Dafür werden im Anschluss an die Ohrakupunktur oder an die Moxa-Behandlung statt der häufig verwendeten Dauernadeln die Samen aufgeklebt. Diese verlängern die Wirkung um einige Tage. Die Anwendungsgebiete der Ohr-Akupressur überschneiden sich weitestgehend mit denen der Ohrakupunktur.

Empfohlen werden Ohrsamen bei der Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen, wie Kopfschmerzen, Rücken- oder Gelenkschmerzen oder Arthroseschmerzen. Häufig werden Erkrankungen des Bewegungsapparats mit den Samen-Pflastern behandelt. Auch bei der Therapie von neurologischen Erkrankungen finden sie Anwendung. Hier werden häufig Neuralgien, Gesichtslähmungen, Schlaganfall oder Migräne mit der Ohr-Akupressur behandelt. Wie bei der Ohrakupunktur werden auch Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungssystems oder Allergien mit den Samen therapiert. Durch ihren großen Umfang an Anwendungsgebieten bietet die Therapie mit den Samen eine Alternative in der Praxis der TCM.